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Geschichte des Täumerhaus und der frühen Verkehrsentwicklung

1652 war das Geburtsjahr des Teumerhauses. In diesem Jahr erbaute der Exulant Daniel Horbach aus Platten das Zechenhaus am hinteren Fastenberg, der heutigen Georgenthaler Flur. Dies war vor der Gründung der Bergstadt Johanngeorgenstadt. 1678 wurde das Gebäude an Christoph Deybner verkauft, der es seinem Sohn Johann Georg Teubner (im Volksmund: Teumer) vererbte.

Bis 1700 ging durch das enge Tal nur eine Privatpost von Erlabrunn über Jägerhaus nach Schneeberg. 1701 wurde dann eine Poststation in Johanngeorgenstadt gegründet.

Die erste urkundliche Erwähnung des „Teumer Haus“ erfolgte 1718 im „churfürstlichen Schutzkrieg“. J. G. Teubner erhält „die Freiheit in seinem Zechenhaus Bier einzuschroten, zu verschänken, und zu verzapfen – für Einkehrer zur Not Salz und Brot und ein Glas Branntwein zu reichen“.

Neben der bestehenden Land- und Poststraße baute man 1728 eine Poststraße von Johanngeorgenstadt nach Eibenstock.

Probleme hatte das Teumerhaus hin und wieder mit dem Johanngeorgenstädter Rat. So forderte er 1738 100 Gulden Strafe, wegen der Beherbergung böhmischer Fischhändler. Der Grund ist folgender: „Eifersüchtig wachte der Städter Rat über das Gastungs-Privileg für sein Rathaus, den einzigen Gasthof in der Bergstadt.“, d. h. der Rat fürchtete das Teumerhaus als direkten Konkurrenten der Region.

Nach dem Tod von J. G. Teubner 1740 übernahm weitere 13 Jahre seine Frau Maria Magdalena Teubnerin die Bewirtschaftung.

1751 wurde die reitende in eine fahrende Post umgewandelt, die 2 mal in der Woche nach Schneeberg fuhr. Hieraus profitierte das Teumerhaus sehr stark.

Der Sohn übernahm das Zechenhaus 1753 und bewirtschaftete es bis 1781. Dies war die Zeit des 7-jährigen Krieges und der Teuerungs- und Hungernotjahre 1770/71. Zudem stockte die fahrende Post vollkommen.

Bis 1829 gibt es nur wenige Überlieferungen zur Geschichte des Teumerhauses. 1804 beschwerte sich der Johanngeorgenstädter Rat und 1807 der Rathauspächter Schulze wieder einmal beim Oberbergamt Freiberg wegen der Beherbergung von Gästen. In dieser Zeit war das Teumerhaus, bestehend aus einem übersetztem Wohn- und Nebenhaus mit 2 Stuben, einem eingebautem Stall, nebenstehender Scheune, Garten, Wiese und Feld, im Besitz Bergfreiheitshausbesitzers Karl Friedrich Wilhelm Opp. Es besaß das Anwesen bis 1829 und hatte mehrere Einquartierungen in den Kriegsjahren 1806 und 1813.

Die Karlsbadreisenden nutzten nun die neue Straße über Wildenthal – Neudeck um ihr Reiseziel zu erreichen. So schloss man die Poststation in Johanngeorgenstadt 1835 und das Teumerhaus verlor seine verkehrsgünstige Lage. 1847 wurde der Fahrverkehr mit dem „Bad-Straßenbau“ völlig lahm gelegt. Mit der Eröffnung einer Eisenbahnlinie aus dem Erzgebirgsvorland nach Schwarzenberg 1858, gab es Impulse für den Postverkehr auf der neuen Straße durch das Schwarzwassertal. „Die sächsische Postverwaltung hatte auf der neuen Straße über Johanngeorgenstadt nach Karlsbad 48 Pferde und 16 Postillone eingestellt. Am 15. Mai 1858 hielt hier der erste blumenbekränzte vierspännige Eilwagen. Seitdem verkehrten täglich zwei Maile (Mail-Briefpost) oder Personen- und Eilwagen. Jede Eilpost war von 10 bis 12 Post- oder Paketwagen begleitet. Täglich kamen 10 bis 15 Extrapostfahrten vorüber. Die große Welt mit ihren berühmt gewordenen Karlsbadreisenden warf einen Strahl des Glanzes in unsere stillen Berge und Täler ...“.

Mit der Einrichtung von Holzschleiferein kommt auch der wirtschaftliche Aufschwung in die Region. Der 1. Zug nach Johanngeorgenstadt verkehrte am 6. September 1883. Damit verbesserte sich die territoriale Lage des Teumerhaus erheblich.

Der Papierfabrikant Niethammer kaufte 1881 das Gebäude. Vorher bewirtschaftete es der Gastwirt Karl Gustav Engler 21 Jahre lang.

Das Teumerhaus hatte nun einen Wert von etwa 21.900 Mk. J. G. Teubner schätzte den Wert in seinem Testament auf 500 Taler.

Das Teumerhaus wurde am 9. Mai 1905 durch einen Brand vernichtet. Am 28. Oktober des selben Jahres wurde die Konzession vom alten Flurstück auf das neue, in der Nähe der Erlabrunn Eisenbahnstation, übertragen. Der neue Gasthof wurde im Oktober 1907 eröffnet. Durch die Bekanntheit des Namens der alten Bergfamilie Teumer wurde es wiederum Täumerhaus genannt.

Innerhalb kurzer Zeit wechselten 4 Pächter, bis 1920 Gustav Anton die Bewirtschaftung übernahm. Er konnte in seinem Gasthof 10 Gäste beherbergen und sie in 2 kleinen Gaststuben bewirten. Anton war ein kaufmännisches und organisatorisches Talent. So gelang es ihm, alle territorialen und landschaftlichen Vorzüge auszunutzen und damit verbunden den Fremdenverkehr enorm anzukurbeln.

1923 wurde das erneuerte und vergrößerte Täumerhaus eingeweiht. Zu diesem Ereignis stiftet der Chef der Firma „Kübler und Niethammer“, Geheimrat Dr. Dr. Konrad Niethammer das selbst geschriebene und selbst komponierte „Täumerhauslied“.

 

Auszug aus dem „Täumerhauslied“ (Strophe und Refrain)

 

„Steig Du vom Auersberg hinab

durchs Steinbachtal zum Bahnhof Erlabrunn,

so kehr erst noch einmal, eh Du von dannen fährst,

im Täumerhause ein,

wer weiß, wann d’wiederkehrst

und wie’s wird sein.

 

Komm’ rein, setz Dich nieder und fackle nicht lange,

Erquicke die Glieder an Speise und Trank,

Erhebe den Becher und trinke ihn aus

Als dankbarer Zecher aufs Täumerhaus!“

 

Die touristische Betriebsamkeit in und um dem Gasthof steigt stark an. Dies zeigt der folgende Textauszug:

 

Pächter Gustav Anton zeigt seinen Gästen ein Fotoalbum: „Hier ‚Sommerfest’ draußen auf der sonnigen Gartenterrasse. Da ‚Pfingstfahrt’ im Staatsauto durch unser sonniges Erzgebirgsparadies. Wir sind hier eine Haltestelle für die Linie Eibenstock-Johanngeorgenstadt-Oberwiesenthal ... Hier ‚Winterfreude’ im Schwarzwassertal, da der ‚Autopark von D.D.A.E.’ bei einer Grenzlandfahrt ... Wir haben einen Parkplatz für 200 Autos. Wir sind Zielstation mit Nachkur für Bad Oberschlema, Karlsbad und Marienbad.“

 

Ausschnitt aus der Festschrift von 1936

 

Der Tourismus wird vor allem durch wohlhabende Personen belebt. So wird ein großer Autohof mit Garagen und Schlafkammern für die Chauffeure auf der anderen Seite des Schwarzwasser angelegt. Dieser Aufschwung wird durch den 2. Weltkrieg beendet. In dieser Zeit ist das Täumerhaus Unterkunft für Kinder aus den Städten und gibt Schutz vor dem Bombenhagel.

Nach dem Krieg wird das Täumerhaus durch die HO-Wismut verwaltet. Durch den Bau des Krankenhauses und den dazugehörigen Wohnanlagen ist auch der Gasthof immer gut besucht.

Das Täumerhaus blieb bis 1992 immer eine beliebte Adresse für die Einwohner von Erlabrunn aber auch für die Gäste aus Nah und Fern. Seitdem suchte die ehemalige Gemeinde Erlabrunn einen neuen Investor für das Gebäude.

Bis 1998 wurden die ehemaligen Räume der Wasserkraftanlage als Depot der Freiwilligen Feuerwehr Erlabrunn genutzt.

Mit der Eingemeindung in die Kommune Breitenbrunn wurde der Abriss des Täumerhauses geplant und nun auch in die Wege geleitet. Nun wurde mit den Abrissarbeiten begonnen.

 

Quelle: „200 Jahre Täumerhaus“ von Gustav Anton


 

   
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